In der [Aktionsforschung] sind jede Menge Menschen und Menschengruppen, welche von den Wisenschaftlern untersucht werden, nicht mehr bloße Informationsquellen des Forschers, sondern Individuen, mit denen sich der Forscher gemeinsam auf den Weg der Erkenntnis zu machen versucht. Kurt Lewin (nach: Stangl, 2000)

Aktions-Forschung

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Einleitung

Die folgende Seite soll einen allgemeinen Überblick zur "Aktions-Forschung" liefern. (Es ist unbedingt zu beachten, dass diese Seite nur einen Überblick liefert. Für weiter und tiefgehendere Lektüre siehe die unten stehende Literatur.) Neben dem Begriff "Aktions-Forschung" sind die Begriffe "Handlungs-", "Tat-Forschung" ebenso üblich. Diese Begriffe stellen einen sysnonyme Übersetzung des im angloamerikanischen Sprachraum üblichen Begriffes "action-research" dar. Der englische Sprachraum kennt des Weiteren Begriffe wie "including participatory research", "collaborative inquiry", "emancipatory research", "action learning" oder "contextural action research". Unter all diesen Begriffen verbirgt sich die gleiche Methode. Im Weiteren werde ich mich an die Begriffe "Aktions-Forschung" oder "Action-Research" halten.

Entwicklung

Als eigentlicher Begründer der "Aktions-Forschung" wird Kurt Lewin angesehen. Das oben zu lesende Zitat nach Kurt Lewin, zeigt eigentlich schon auf, in welche Richtung uns der Weg in der Aktions-Forschung führen soll. Dennoch halte ich vorab für unerlässlich, einen kurzen Überblick über Lewins Leben und Werk zu geben, bevor auf die eigentliche Methode eingegangen wird. (Wenn es Zeit und Raum ermöglicht, werde ich hier ggf. noch ausführlicher werden können.)

Kurt Lewin

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Kurt Lewin wurde 1890 in Mogilni, Preußen, als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Er studierte an den Universitäten Freiburg, Müchnen und Berlin. 1909 nahm er ein Medizinstudium auf, beuchte aber dennoch Vorlesungen in Biologie und Psychologie. 1914 promovierte er zum Dr. phil. bei Carl Stumpf. Seine Lehrtätigkeit nahm er 1921 am psychologischen Institut in Berlin auf, wo er bis 1932 verblieb. Weiter Stationen seiner Lehrtätigkeiten waren die Standford University, Cornell University und die University of Iowa. 1945 trat er eine Professur am Research Center for Group Dynamics am Massachusetts Institute of Technology an. Des Weiteren war er als Berater des US-Department of Agriculture, des Office of Strategc Services, sowie der Commission on Community Interrelations of American Jewish Congress tätig. Die ausschließlich in den USA liegenden Wirkungsorte ergeben sich aus seiner 1932 erfolgten Emigration auf Grund seines Glaubens. Er verstarb 1947 in Newtonville bei Boston. Seine Hauptthese besagt, dass eine soziale Gruppe die Gefühle, Warhnehmungen und Handlungen ihrer Mitglieder maßgebend beeinflusst. Lewin ging davon aus, dass man ebenso wie in der Physik und Chemie, auch in der Soziologie Experimente zur künstlichen Herbeiführung von Situtationen anwenden könne.

Anfänge

Lewins erstmalige Postulierung von "Action-Research" kann in das Jahr 1947 zurückverfolgt werden. In seiner Schrift "Action Research an Minority Problems". Hier erklärte er Action-Research als "a comparative research on the conditions and effects of various forms of social action an research leading to social action", die sich folgenden Instrumentes bedient: "a spiral of steps, each of which is composed of a circle of planning, action, and fact-finding about the result of the action". Im folgenden wird klar werden, dass an dieser Grundaussage im "Wesentlichen" keine großen Veränderungen vorgenommen wurden. (O'Brian, 1998)

Entwicklungsstendenzen bis heute

In den folgenden Jahren nach Lewin bis heute, bildeten sich vier "Hauptrichtungen" des "Action-Research" heraus. Ich möchte diese vorab hier nur tabellarisch und der Vollständigkeit halber aufführen. Ob eine weiter Ausführung von Nöten ist, wird später entschieden werden.

Traditionelle Aktionsforschung

Kontextabhängige Aktionsforschung (Tätigkeits-Lernen)

Radikale Aktionsforschung

Aufklärende/Belehrende Aktionsforschung

(nach: O'Brien, 1998. Eigene Übersetzung)

Prozess

Vorab ist zu bemerken, dass die Aktionsforschung eine Methode ist, bei welcher kein Endpunkt festgestellt werden kann. Dies bedeutet, dass sie theoretisch ein unendlicher Prozess ist. Dies soll im folgenden durch zwei Modelle erläutert werden. Rory O'Brien führt in seiner Arbeit "An Overview of the Methodological of Actian Research" das Modell von Kemmis (nach Mac Issac, 1995) sowie von Susman (1983) an. Kemmis geht von der Aktionsforschung als einer vier Stufen umfassenden Methode aus: 1. Plan/Konzept (Bestimmen eines Problems), 2. Aktion/Maßnahme (Durchführung von Maßnahmen), 3. Beobachtung/Überwachung (Ausführung der Maßhnahmen überwachen), 4. Reflektieren/Schlussfolgern (Fazit der erfolgten Maßnahmen ziehen). Diese vier Punkte stehen in seinem Modell in einer ständigen Wiederholung. (Siehe Abbildung 1) Susmans Modell ist um eine Stufe erweitert. Er sieht fünf Phasen in der Aktionsforschung vor. 1. Diagnose (Festsellen oder Bestimmen eines Problems), 2. Vorbereitung Aktion/Maßnahme (Abwägen verschiedener Handlungsoptionen), 3. Maßnahmen ergreifen (Eine Handlunsoption auswählen und ausführen), 4. Auswertung (Beobachtung der Konsequenzen), 5. Specifying Learning (Feststellen der Hauptergebnisse). (Siehe Abbildung 2)

Modelle

Abbildung 1

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(O'Brien, 1998)

Abbildung 2

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(O'Brien, 1998)

Zehn Grundsätze der Handlungsforschung

Huschke-Rhein schlägt für die Aktionsforschung zehn Grundsätze vor (Huschke-Rhein, 1987, S. 189ff.). Diese möchte ich hier zusammengefasst wiedergeben. Huschke-Rhein schränkt jedoch ein, dass diese nicht überall als Messlatte angelegt werden können, sondern individuell in jedem Fall unterschiedlich entschieden werden kann.

Der Forscher

Bei der Handlungsforschung ist es nicht unbedingt notwendig, dass der Forschende die Rolle des distanzierten und neutralen Beobachters einnimmt. Der Forscher kann Partei für bestimmte inhaltliche oder soziale Projektziele ergreifen.

Objekte/Betroffene

Die Untersuchten sind in der Handlungsforschung keine puren Objekte, die beforscht werden. Vielmehr sind sie, wie der Forschende, Subjekte, die von den gleichen Problemen betroffen sind, wie der Forscher, und diese gemeinsam mit diesem zu lösen versuchen.

Methoden

Die Methoden sollten dem Forschungsgegenstand angemessen sein. Qualitative Methoden, bei denen die sture Subjekt-Objekt-Einteilung überwunden ist, wird der Vorrang eingeräumt.

Planung

Bei der Planung von Projekten sollten die Beteiligten in das Vorhaben eingeweiht und beteiligt werden. Die Planung sollte nicht vom Forschenden "alleine am grünen Tische" vorgenommen werden.

Projektverlauf

Der Projektverlauf kann nicht step-by-stap vorherbestimmt werden. Vielmehr kommt es zu einer zyklischen Verlaufsform, bedingt durch die Rückkopplung von Ergebnissen. Eine Änderung des zu Beginn angestrebten Projektverlaufes kann daher vorkommen.

Auswertung

Die Auswertung stellt keine Auswertung hinsichtlich einer zuvor aufgestellten Untersuchungshypothese dar. Die Auswertung sieht eine Analyse des gesamten Forschungsablaufs und seiner Interaktionen vor. Diese Analyse sollte unter gemeinsam mit den Beforschten stattfinden.

Hypothesen/Vorverständnis

Hypothesen und Fragestellungen dienen primär der Beforschung von sozialen und erzieherischen Fragen. Sie dienen nicht der bloßen Überprüfung von Hypothesen. "Sie sollen zur Entscheidung von Handlungsalternativen und, wenn möglich, zur praktischen Veränderung und Verbesserung der Realität führen." Hypothesen und Fragestellungen besitzen den Chrakter der Gewinnung eines Vorverständnisses, bei welchem eine Veränderung jederzeit möglich ist, wenn es der Forschungsverlauf fordert und fördert.

Untersuchungsfeld

Das Feld der Handlungsforschung gleicht keiner Laborsitutation. Daher arbeitet diese mit den vorhanden sozialen Gruppen zusammen, oder mit Personen in ihrem "natürlichen"/"normalen" Lebenskontext. Personen und Gruppen werden in der Gesellschaft so belassen, wie sie vorgfunden werden. Sie sollen nicht in eine künstliche Umwelt verbracht werden. Das Untersuchungsfeld muss nicht, wie etwa im Labor, konstant gehalten werden. "Die Konstanz des Feldes wäre ein Kennzeichen für einen Friedhof, nicht aber für ein Handlungsforschungsprojekt".

Interaktionsformen/Kontaktformen

Die Interaktionsformen sowie Art der Kontakte sind grundlegend für die den Verlauf der Forschung sowie für die beabsichtigten Veränderungen. Daher sind ihnen eine dementsprechende Wichtigkeit beizumessen. Bei der Auswertung soll ihnen ebensoviel Aufmerksamkeit zu Teil werden, wie dem eigentlichen Forschungsverlauf.

Gütekriterien

Ziel des Forschungsprozesses ist nicht die Generalisierbarkeit der Ergebnisse. Ziel des Forschungsprozesses ist die Realitätshaltigkeit und ihre Praxisrelevanz. Die Gütekriterien der Aktionsforschung lauten: Realitätshaltigkeit, Transparenz, Praxisrelevanz, Interaktion.

Bemerkung

Aus der oben dargestellten Methode, sowie den z. T. en detail erklärten Punkten, lässt sich ein wesentlicher, jedoch noch nicht genannter Punkt extrahieren: Die Aktionsforschungs-Methode stellt eine sehr individuelle und sehr spezielle Methode dar. Action-Research einen Königs-Weg gibt es hierbei definitiv nicht. Meines Erachtens muss jeder Forschende, der Action-Research verwendet, die angetroffenen Gegebenheiten beachten, und an diesen die Methode für diesen Fall ausrichten, ggf. modifizieren.

Beispiel

Action Research, oder auch Aktionsforschung, wurde von mir im Rahmen dieses "Wikis zum Wissenschaftlichen Arbeiten" verwendet. Die Vorstellung der meiner persönlichen "Actio Research"-Methode, sowie die Ergebnisse, stelle ich unter ["Beispiel Aktions-Forschung Wiwa"] zur Verfügung.

Literatur

Selbstverständlich habe ich mir das oben Stehende nicht selbst ausgedacht. Vielmehr habe ich mich an Werke über Action-Research angelehnt, wie z. T. im Text belegt. Folgende Titel wurden im Wesentlichen für diese Überblicksdarstellung verwendet:


Diskussion

Hi Timo, super Text. Ich würde allerdings die Biographie von KurtLewin auf seine eigene Seite auslagern. Und die Literaturangaben würde ich nach dem Stil für LiteraturImWiwa machen. Frag die Leute aus dem Projekt, wenn du Hilfe dabei brauchst. Links habe ich schon ein Mal angelegt und die Jungs haben eine tolle vorlage gemacht, die du benutzen kannst (bei Neue Seite erstellen einfach LietarturVorlage auswählen. Mit den Bildern bin ich mir unsicher. Im Zweifelsfall nimm doch für KurtLewin das aus Wikipedia, das ist im Public Domain: http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Kurt_Lewin.jpg Wie man mit den anderen Bildern umgeht, weiß ich auch nicht. -- ChristophKoenig DateTime(2007-07-24T09:35:07Z)


KategorieWissenschaftstheorie KategorieForschung KategorieForschungsmethode KategorieFragen

AktionsForschung (last edited 2007-07-24 10:25:40 by TimoHartmann)