Beispiel für die Aktions-Forschung am Beispiel des Wikis zum Wissenschaftlichen Arbeiten

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Einleitung

Die vorliegende Seite soll als aufgearbeitete Ergebnissammlung für eine Studie im Wiwa im Rahmen des zweiten Durchgangs eines E-Learning-Seminars dienen. In diesem zweiten Durchgang fiel mir und einigen weiteren Kommilitonen der Status des ["AlteHasen"] zu, was bedeutet, dass wir im Gegensatz zu den übrigen Teilnehmern der Community bereits im vorangegangen Semester den Grundstein für das vorliegende Wiki legten.

Aufgabenstellung

Die Aufgabenstellung an die Alten Hasen war, sich "forschend selber" theoretisches Wissen zur Unterstützung und Begleitung von Lernprozessen in einer Community wie dem Wiwa zu erarbeiten. (Siehe auch: ["AlteHasen"]) Diese Selbsterarbeitung, unter Zuhilfenahme der Seminarleitung, sollte innerhalb einer Forschungsarbeit stattfinden. Diese bedeutete: 1. Überlegung einer zu bearbeitenden Problematik im Wiwa, 2. Sichtung der dafür verwendbaren Methode, 3. Ergebnissicherung. (Neben dieser Hauptaufgabe an die Alten Hasen, sollten wir uns auch um die ["JungenWilden"] kümmern.)

Überlegungen zur Aufgabenstellung

Vorüberlegung

Die Überlegungen des vorangegenagen Semesters hatten mir gezeigt, dass bei der Erarbeitung einer Seite, sich durch die Eigendynamik eine Struktur entwickelt, die ab einem gewissen Zeitpunkt überfrachtet ist, und umstrukturiert werden muss. Dieses Umstrukturieren habe ich als Strukturknick bezeichnet.

Es ist von jeder Seite, welche neu angelegt wird, auszugehen, dass sie ohne jedwede von vorneherein von allen daran Mitarbeitenden verabschiedeten Gliederung geschrieben wird. Hierbei ist nach einer gewissen Entstehtungsphase ein Phänomen zu beobachten, welches ich als Knick bezeichnen möchte. Dies bedeutet, dass ab einem gewissen Zeitpunkt eine völlige Neustrukturierung einsetzt. Einer der Mitarbeitenden, oder deren mehr, macht/machen sich daran, eine neue Struktur zu schaffen, Seiten auszulagern usw. Die Frage, welche hieraus resultiert, ist: Warum, wie und evtl. wann, kommt es zu einem, wie oben dargestellen, Strukturknick.

Beispiel für Strukturknick

Um das oben beschriebene Phänomen des Strukturknicks als Ausgangsüberlegung verwenden zu können, muss dieses bewiesen oder zumindest aufgezeigt werden. Dies leiste ich anhand einer Seite, an welcher ich im WS 06/07 aktiv mitgewirkt habe. Nach durchsicht der Versionshistorie der Seite ["QuellenAngabe"] konnte ich zu folgenden Ergebnissen gelangen:

  1. Es existiert ein Knick.

  2. Der Knick ereignete sich, wie erwartet, nach einem gewissen Zeitraum, in dem jeder nach eigenem Gutdünken an der Struktur arbeitete und so eine überladene, oder auch Nicht-Struktur entstanden war.

  3. Die Diskussion über eine Re- bzw. Neu-Strukturierung ereignete sich innerhalb einer Gruppe, auf zwei weiteren Wiki Seiten (ArbeitsgruppeKreativitätUndStruktur sowie WikiSeitenUmQuellenAngabenStrukturieren).

    • Re-/Neustrukturierung beginnt in etwa sechs Wochen nach Auflage der Seite. Siehe Info für ["QuellenAngabe"], beginnend mit 7. Änderung durch ChristophKoenig am 11/02/2006. Wirkliche Änderungen treten nach ausgiebiger Diskussion mit der 30. Änderung auf, TimoHartmann am 12/05/2006.

  4. Innerhalb der Gruppe, innerhalb der Seiten ist eine rege, kontroverse Diskussion über die Struktur zu finden, d.h. die Mitarbeitenden setzten sich aktiv mit der Problematik auseinander.

<!> Diese, durch die oben angeführte Beobachtung festgestellte, von mit postulierte These, wurde nun als Ausgsngspunkt der Überlegung gesetzt.

Überlegungen zur Methode

Die Überlegungen zur Überprüfung meiner These am Wiwa entstand durch Gespräch mit der Seminarleitung. AntjeMüller und ChristophKoenig schlugen mir vor, die sogenannte Action-Research-Methode anzuwenden. Diese sollte ich in zweierlei Hinblich anwenden:

  1. ...ob hierdurch meine These zu beweisen ist.
  2. ...um zu einer Einschätzung zu gelangen, ob diese Methode für die Arbeit im Wiki einsetzbar ist.

Aktionsforschung/Action-Research

Nachdem ich nun eine Forschungsfrage, sowie die dazugehörige Methode erdacht hatte, ging ich daran, mich mit Action-Research eingehend zu beschäftigen. Als Ergebnis dieser Beschäftigung mit der, um mit Goethe zu sprechen, grauen Theorie, entstand ["AktionsForschung"]. Diese Seite stellt abrissartig einen Teil der theoretischen Grundlage der Aktionsforschung da.

Versuchsobjekte

Die erneute Rücksprache mit den Dozenten ergab, dass ich die Forschungsfrage, sowie die Methode, speziell auf zwei sehr bedürftigen Seiten im Wiwa anzuwenden: ["KategorieKategorie"], sowie ["WikiLayoutÜberarbeiten"].

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Auftretende Probleme

Zu beforschende Seiten

Die ["Aktionsforschung"] setzt eine aktive Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Beforschten voraus (siehe: Grundsätze, ["Aktionsforschung"]) Leider erwiesen sich die Communities der genannten Seiten als hilferesistent. Das bedeutet, dass sie auf meine angebotene Hilfe, bzw. auf die von mir aufgezeigte Problematik nur ein wenig oder gar nicht reagierten.

Beschäftigung mit Aktions-Forschung

Meine Beschäftigung mit der Materie der Aktionsforschung gestaltete sich derart aufwendig, dass ich

  1. sehr viel Zeit damit verbrachte, nur an der Theorie zu arbeiten,
  2. in Teilen den Anschluss an das Wiwa verloren habe.

Lösung der Probleme

Nach erneuter Rücksprache mit den Dozenten und Darstellung der oben genannten Probleme, kamen wir gemeinsam zu folgender Lösung:

  1. Meine ursprüngliche Forschungsfrage soll in den Hintergrund treten, da die Community nicht zu zwingen ist, im übrigen die Zeit zu knapp werden würde, um die Leute in langen Diskussionen zur Mitarbeit zu bewegen.

  2. Die schon zu Eingang formulierte Aufgabe, Action-Research auf Funktionalität am Wiwa zu erproben, sollte zur Hauptaufgabe werden.

Das Wiwa und Aktions-Forschung

Neues Vorgehen

Meine neue Aufgabe war nun, Aktionsforschung am Wiwa zu erproben. Dies gelang mir, wenn auch nur in kleinem Rahmen.

<!> Den Verlauf und die Ergebnisse des erneuten Herangehens möchte ich nun im Folgenden darstellen. Als bestes, wenn auch nur kleines Beispiel von Aktionsforschung, war die Zusammenarbeit mit MiriamSchwebel auf der Seite EntstehungsGeschichteDesWiwa. Auf dieser Seite wird die Enstehungsgeschichte des Wiwas beschrieben. Hierbei habe ich einige Denkanstöße für neues Handeln bei verschiedenen Problemen gegeben, oder auch ganz explizit auf Probleme hingewiesen.

Grundsätze der Handlungsforschung nach Husche-Rhein

Die Darstellung der von mir durchgeführten Handlungsforschung möchte ich mit den zehn Grundsätzen der Handlungsforschung von Huschke-Rhein einleiten. (Siehe auch: ["AktionsForschung"])

Der Forscher

Als Forscher habe ich mich nicht neutral verhalten, sondern "Partei für inhaltliche Ziele" ergriffen. Ich denke, dass es im Rahmen des Wiwas nicht möglich ist, in diesem Fall eine völlig neutrale Stellung einzunehmen, da ich Teil der Community bin, und so nicht aus ihr heraustreten kann, um sie zu beobachten.

Objekte/Betroffene

Die Person, welche ich im Rahmen der Aktionsforschung beforschte war nicht nur Objekt. Sie war im gleichen Zusammenhang wie ich Subjekt, da sie wie ich an der Verbesserung und an der Zusammenarbeit im Wiwa interssiert ist. D.h., dass in meinem Fall Forscher und Beforschter Subjekte sind, da beide einer Community angehören.

Planung

Huscke-Rhein regt an, dass die Planung nicht alleine vom Forscher vom grünen Tisch aus erdacht wird, sondern gemeinsam mit den Beforschten erarbeitet werden soll. Ich habe mich allerdings dagegenentschieden, den Beforschten in meine Überlegungen miteinzubeziehen. Dies hat zwei Gründe:

  1. Die Situation, in der sich diese Konkrete Handlungs-Froschungs-Situation ergab, war zu günstig, als sie durch Teilhabe des Beforschten an der Forschung zu gefährden.
  2. Der Zeitfaktor spielte eine enorm große Rolle: Ich musste die Entscheidung treffen, dass es zu viel Zeit gekostet hätte, eine Einweihung der Person in mein Vorhaben vorzunehmen.

Projektverlauf

Wie von Huschke-Rhein prognostiziert, kann es im Rahmen einer Aktionsforschung zu Änderung der eigentlichen Ziele kommen. Die vorliegende Ergebnisdarstellung zeigt, dass die Aktionsforschung keine statische, sondern eine höchst bewegliche Forschungs-Methode ist.

Auswertung

Wie Huschke-Rhein darstellt, ist die Auswertung keine Überprüfung von zuvor aufgestellten Hypothesen. Vielmehr beschreibt er die Auswertung als eine Gesamtbetrachtung des Forschungsverlaufes, wie von mir geleistet. Zwar sollte diese unter Teilnahme der Beforschten stattfinden, was ich aber auschließe, da ich diese auch nicht mit in die Planung einbezogen habe.

Hypothesen

"Sie [Fragestellungen] sikken zur Entscheidung von Handlungsalternativen und, wenn möglich, zur praktischen Veränderung und Verbesserung der Realität führen", so Huschke-Rhein über Fragestellung und Hypothesen. Bei der von mir ausgegangenen Fragestellung solle eine praktische Verbesserung stattfinden: Die Entscheidung, bzw. Einschätzung, ob Actio-Research selbst für den Einsatz in einer Wiwa-Community sinnvoll und praktikabel ist.

Untersuchungsfeld

In diesem Untersuchungsfeld, das Wiwa und seine Community, findet man eine zutiefst aktive und sich ständig verändernde Situation vor. Dies ist alles andere, als wie bei anderen Methoden gefordert, eine übertragbare Laborsituation. Die Community kann meines Erachtens mit einem sich ständig wandelnden Objekt zu tun.

Gütekriterien

Huscke-Rhein schließt die Generalisierbarkeit der Ergebnisse aus. Als Ziel beschreibt er die Realitätshaltigkeit sowie die Praxisrelevanz. Beides trifft auf die durcgeführte Untersuchung zu.

Verlauf

Modell

Bei der Auswertung habe ich mich für das von einfachere, vier Stufen umfassende Modell nach O'Brien (O'Brien, 1998) entschieden. Diesen Schritt unernehme ich, da das fünf Stufen umfassende Modell die weitere Stufe des Abwägens einer Methode vorsieht. Dies erscheint mir für diese einfache Durchführung als zu komplex.

Zyklen des Verlaufs

Es gibt drei Zyklen innerhalb des Verlaufs:

  1. Gliederung und Struktur

    1. Feststellung des Problems, dass Gliederung und Struktur ein wenig Überarbeitung bedurften.
    2. Mitteilung an Beforschten, dass hier Potenzial zur Nachbesserung ist, Vorschläge für Maßnahmen (konkret: Einfügen Inhaltsverzeichnis).
    3. Beobachtung der Veränderung der Struktur.
    4. Fazit der erfolgten Veränderung: Seite erscheint Strukturierter.
  2. Chronologie

    1. Beforschter fragt selbst nach weiteren Möglichkeiten der Verbesserung an, sieht, dass weiteres Potential vorhanden ist.
    2. Hinweis an Beforschten, dass Aufbau der Seite nicht chronologisch ist, dies vllt. eine Verbesserung wäre.
    3. Beobachtung, der Veränderung der Reihenfolge, Chronologie.
    4. Chronologischer, jedoch Fazit von Beforschten: Zu wenig Informationen.
  3. Informationen

    1. Feststellung, dass Informationen zu wenige sind. Vorschlag an Beforschten, Dozenten nach weiteren Informationen zur Geschichte des Wiwas zu befragen.
    2. Etwaige Durchführung konnte nicht überwacht werden, da etwaige Anfrage außerhalb des Wiwas geschehen würde.
    3. S.O.
    4. Fazit des Beforschten: Informationsbeschaffung über Dozenten nicht erfolgt, da Beforschter Hemmungen hatte diese auf Grund des ohnehin hohen Arbeitsaufwandes noch weiter zu belasten.

Um die Darstellung zu vereinfachen, stelle ich den Verlauf der Handlungsforschung anhand einer Abbildung dar.

Abbildung 1

Um noch einmal zu rekapitulieren, wie der Verlauf einer Handlungsforschung aussehen kann, folgendes Modell: attachment:Abbildung%201.jpg

(nach O'Brian, 1998)

Abbildung 2

Für das oben erklärte Beispiel würde sich folgender Kreislauf ergeben: attachment:Abbildung%203%20Beispiel.jpg

(Modifiziert nach: O'Brian, 1998)

Die dargestellte Abbildung zeichnet schematisch den Verlauf nach und zeigt, dass dieses Schema unendlich weitergeführt werden könnte.

Ergebnisse/Interpretation

Action-Research als Methode für das Wiwa, allgemein für Wikis

Action-Research hat sich in diesem Fall als eine sehr gut anzuwendende, aber vor allem als sehr konstruktive und praktikable Methode erwiesen. Da dieses Wiwa, wie ich oben bereits erwähnt habe, ein sich ständig wandelndes Medium ist, dass heißt kein statisches Konstrukt bietet sich insbesondere ["AktionsForschung"] als Arbeits-Methode an. Wie das Wiwa, so gestaltet sich auch die Aktions-Forscbung als wandelbares Instrument. Huschke-Rhein beschreibt das Verhältnis zwischen sich wandelnder Umgebung, d.h. dem Wiwa und er Aktionsforschung wie folgt: "Die Konstanz des Feldes wäre ein Kennzeichen für einen Friedhof, nicht aber für ein Handlungsforschungsprojekt". Wie speziell in meinem Fall, welcher sich ständig ändernden Vorraussetzungen anpassen musste, zeigt sich die Aktionsforschung als sich auch problemlos anpassende Methode. Insbesondere, was das Forschungsfeld anbelangt, sehe ich hier einen imensen Vorteil: Der Forscher selbst kann immer noch Teil dieses Feldes bleiben, und dennoch in ihm forschen. So können meines Erachtens konstruktivere Ergebnisse erzielt werden, als mit einer unbedingte Objektivität verlangenden Methode.

Übetragbarkeit des Ergebnisses

Im Gegensatz zu dem, was Huschke-Rhein sagt, dass Ergebnisse nicht übertragbar wäre, wegen des schon oft erwähnten wandelbaren Forschungsfeldes, möchte ich feststellen, dass dennoch eine Übertragbarkeit stattfinden kann:

  • Das Wiwa mit seiner Community kann als exemplarisches Wiki betrachtet werden;
  • Der Umgang in der Community, sowie die Wandelbarkeit besteht auch in anderen Wikis;
  • Daher kann die Aussage, dass Action-Research in einem Wiki gut angewandt werden kann, übertragen werden.

Fazit

Die Arbeit mit der Mehtode ["AktionsForschung"] in einem Wiki birgt eine Vielzahl von Vorteilen:

  1. Der Forschende kann Teil der Community bleiben, d.h. muss um der Objektivität Willen nicht ausscheiden.
  2. Die Methode passt sich fortlaufend dem wandelnden Forschungsfeld an.
  3. Da der Forschende Teil der Community bleibt, baut sich keine Distanz zwischen Forscher und Beforschten auf, wie in einer Laborsitutation üblich.
  4. Hierdurch entsteht das Verhältnis von Zusammenarbeit.

  5. Dies sehr konstruktive Zusammenarbeit zwischen Forscher und Beforschten bringt potentiell sehr gute Ergebnisse zu Tage.
  6. Aktionsforschung ist nicht, wie andere Methoden, darauf ausgelegt, etwas festzustellen, oder zu beweisen, was wiederum übertragbar wäre. Vielmehr soll die Aktionsforschung, wie bereits zitiert,

"zur Entscheidung von Handlungsalternativen und, wenn möglich, zur praktischen Veränderung und Verbesserung der Realität führen." Ich denke, dass ich bewiesen habe, dass sie dies leisten kann, insbeosondere für ein Wiki.

Nachtrag

Die Ursprungsthese des Strukturknicks konnte leider nicht bis zum Ende verfolgt werden. Dennoch möchte ich hier die These aufstellen, dass Aktionsforschung eine der besten Methoden ist, um diesn Knick zu beweisen, aber auch gleichzeitig zu beheben.

Beispiel_Aktions-Forschung_Wiwa (last edited 2007-07-25 08:10:23 by TimoHartmann)