Bildinterpretation als Methode qualitativer Sozialforschung

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Die hier zusammengefassten Informationen stammen aus dem Artikel ["Niesyto2006"] Bildverstehen als mehrdimensionaler Prozess. Vergleichende Auswertung von Bildinterpretationen und methodische Reflexion. In: MarotzkiNiesyto2006

Im Wesentlichen haben sich aus einer Vielzahl von Herangehensweisen zwei Ansätze herauskristallisiert:

Diese beiden Ansätze unterscheiden sich vor allem durch die unterschiedliche Berücksichtigung von Bildkontext und Bildkompetenz des Produzenten: Der bildimmanente Ansatz versucht Aussagen allein aus der Abbildung heraus zu treffen; der Entstehungs- und Verwendungskontext spielt dabei keine Rolle. Dagegen besitzt Kontextwissen eine zentrale Bedeutung für den alltagskulturell-hermeneutischen Ansatz; auch das Wissen um die Produktionskompetenz wird als wichitg eingeschätzt, um Qualität und Assagekraft des Bildes einschätzen zu können.

In sozialwissenschaftlichen Analysen wird (je nach Projekt-Fokus) meist die Verwendung alltagskulturell-hermeneutischen Vorgehens zielführend sein. Wissen über Kompetenz und Kontext der Bildentstehung sind wichitg um die Plausibilität der Analyse überprüfen zu können. (Anders herum ist es nicht zielführend, Schlüsse aus der Gestaltung eines eigentlich zufällig entstandenen Schnappschusses zu ziehen.)

Exemplarische Vorgehensweise:

1. Dokumentation und Auswahl

2. Erstverstehen

3. Bildbeschreibung und Formanalyse

4. Symbolverstehen

5. Kontextwissen

6. Zusammenfassung der Einzelbildanalyse

7. Intersubjektive Überprüfung und kommunikative Validierung

Fotos als multiperspektivische Quelle:

Fotos sind in kommunikative Prozesse eingebunden (von der Aufnahme bis zur Präsentation) und vereinen bis zu vier unterschiedlichen Perspektiven:

Um die gesamte Tiefe von Bedeutungen eines Bildes zu erfassen, müssen möglichst alle Perspektiven berücksichtigt werden.

Kontextwissen:

Kontext und Bild bedingen sich gegenseitig (zumindest bei alltagskulturell-hermeneutischem Vorgehen). Man unterschiedet zwei Arten von Kontexten:

Subjektivität der Forscher:

Insbesondere durch das erforderliche Kontextwissen werden hohe Anforderungen an die Qualifikationen der Forscher gestellt. Es wird daher empfohlen, das Bildmaterial "intersubjektiv" zugänglich zu machen. Das heisst, im Rahmen einer Forschergruppe sollten unterschiedliche Lesarten erarbeitet und diskutiert werden. Das Einbringen von unterschiedlichem Kontextwissen ermöglicht zusätzlich die Plausibilitätsprüfung der Deutungen.

Eure Erfahrungen mit der Vorgehensweise

Habt Ihr selbst schon Bildanalysen gemacht, vielleicht auch nach dem oben vorgeschlagenen "Grundgerüst"? Dann teilt uns Eure Erfahrungen mit! Wie kamt Ihr klar, wo gab's Probleme, wie schätzt Ihr die Brauchbarkeit der Methode ein?

Diskussion

Die Aussagen für die Fotos gelten bereits für die Analyse von Gemälden. Daher ist eine wesentliche Quelle dieser Verfahren zur Bildanalye die Kunstgeschichte. Dort gibt es übrigens auch weitere Methoden, die aber noch nicht transferiert oder transformiert wurden in die/der Sozialforschung, z.B. feministische, seminotische oder ideologiekritische Verfahren. (vgl. die wie ich finde sehr gute Einführung in die Kunstgeschichte von Belting u.a., http://www.amazon.de/Kunstgeschichte-Eine-Einf%C3%BChrung-Hans-Belting/dp/3496012617 , aus der ich mein Halbwissen dazu habe.) Das ist vielleicht noch eine Anregung. Gruß ThomasTrebing


BildAnalyse (last edited 2007-07-30 16:07:02 by AntjeMüller)