In diesem Text wird immer mal wieder zwischen der deutschen und der englischen Sprache hin und her gewechselt. Dies liegt zum Einen darin begründet, dass die meiste Literatur in englischer Sprache verfasst ist, wodurch Zitate zumeist in englischer Sprache sein werden und zum Andreren weil oftmals englische Begriffe einfach treffender sind und sich nicht ohne Sinnverlust ins Deutsche übersetzen lassen.
Beschreibung
Intrinsische Motivation meint im Gegensatz zu [:ExtrinsischeMotivation: extrinsischer Motivation], dass ein Individuum aus sich heraus, also aus einer eigenen inneren Motivation ein bestimmtes Verhalten zeigt. Das Individuum hat ein intrinsisch motiviertes Interesse an einem bestimmten Verhalten/ einer bestimmten Tätigkeit. Dies lässt sich am einfachsten, wenn auch nicht ganz treffend, damit beschreiben, dass das Individuum Spass oder Interesse an der Tätigkeit hat. Als Beispiel sei hier ein Kletterer genannt, der einen Berg erklimmt - nicht um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern weil das Klettern an sich ihm Spass macht.
Die Theorie der intrinsischen Motivation hat insbesondere im Bereich des Lernens eine hohe Bedeutung, da ein so motiviertes Verhalten in aller Regel einen Lerneffekt nach sich zieht. Diese Art des Lernens kann man sehr gut bei Kindern beobachten, die im Normalfall nicht aus einem [:ExtrinsischeMotivation: extrinsich motivierten Antrieb] heraus lernen. "Children are by nature active, and through their natural activity they learn. By spontaneously exercising their capacities, children expand and refine those capacities and aquire new knowledge. This learning proceeds at its own pace and, as Montessori (1965) stated it, 'in accordance with the tendencyy of nature'[...]." (DeciRyan1992) Diese Art des Lernens ist gemeint, wenn von intrinsisch motiviertem Lernverhalten die Rede ist. Nach DeciRyan1992 ist dieses Verhalten begründet durch das angeborene psychologische Bedürfnis nach Kompetenz und Selbstbestimmung, welches sich als Neugier (Wissbegierde) und Interesse erklären lässt. Intrinsische Motivation beeinlusst ebenso wie ExtrinsischeMotivation "unsere Selbstwahrnehmung und die Art unserer Attributionsprozesse" (SchmitzPerels2006)
"We are arguing that intrinsic motivation is innate; that children`s general intrinsic motivation becomes differentiated such that their interest is directed toward certain activities; and that environmental factors influence the activities toward which their intrinsic interest is directed by affecting their experience of competence and self-determination." (DeciRyan1992)
Im folgenden sollen nun Umweltfaktoren dargestellt werden, die intrinsische Motivation beeinflussen können - positiv wie negativ.
Einflussfaktoren
"Because intrinsic motivation relates to the psychological needs to feel competent and self-determining, the experiences of competence and autonomy are important for maintaining intrinsic motivation and for influencing the developmental process of differenciating interests." (DeciRyan1992) Es geht hier also stets um das individuelle Erleben der Umweltfaktoren.
Kompetenz vs. Inkompetenz
Durch die Wahrnehmung von Kompetenzunterstützung kann die Motivation eines Lernenden gesteigert werden, durch das Gefühl von persönlicher Inkompetenz dagegen wird sie verringert. Dies kann durch viele Faktoren beeinflusst werden. Hier soll das (subjektive) Erleben von Kompetenz bzw. Inkompetenz in Lernprozessem dargestellt werden anhand der Herausforderung, die eine Aufgabe an den Lernenden stellt und anhand von Feedback, das der Lernende erhält.
Die Wahrnehmung von persönlicher Kompetenz bzw. Inkompetenz hängt eng damit zusammen, dass das Individuum sich auch verantwortlich fühlt für das Ergebnis einer Arbeit/ Aufgabe/ Tätigkeit. Dies bedeutet, dass Aufgaben wenn sie intrinsische Motivation hervorrufen sollen stets so gestellt werden müssen, dass für das Individuum erkennbar ist was er/sie zur Bearbeitung der Aufgabe beiträgt. Bedeutend kann dies zum Beispiel für Gruppenarbeiten oder Lernprogramme sein.
Herausforderung Anchor(Herausforderung)
Intrinsische Motivation für eine Tätigkeit wird in aller Regel nur dann aufgebaut, wenn die Tätigkeit das Individuum fordert - jedoch nicht überfordert. Unterforderung führt zu Langeweile, wodurch die Motivation sinkt. Überforderung führt zu dem Gefühl inkompetent zu sein, wodurch die Motivation ebenfalls sinkt. Eine Tätigkeit muss also eine optimale persönliche Herausforderung für das Individuum darstellen um Interesse zu wecken und die Motivation zu steigern. [:DeciRyan1992: Deci and Ryan] beziehen sich hier auf psychologische Tests, die zeigten dass Kinder sich am längsten mit Dingen beschäftigten die eine Stufe über ihrem (zuvor bestimmten) Kompetenzniveau lagen und diese auch als am interessantesten bewerteten.
Feedback Anchor(Feedback)
Feedback kann in diesem Zusammenhang auf zweierlei Arten erfolgen. Durch Rückmeldung von anderen Leuten und durch Rückmeldung von der Aktivität selbst. Letzteres kann zum Beispiel sein, dass ein Kind einen Gegenstand anstößt und dieser sich bewegt. (vgl. DeciRyan1992) Positives Feedback bewirkt dabei eine Steigerung der Kompetenzwahrnehmung und fördert somit die intrinsiche Motivation sich dieser Aktivität weiter zu widmen. Negatives und neutrales Feedback bewirken exakt das Gegenteil.
Autonomie vs. Kontrolle
Nach [:DeciRyan1992: Deci and Ryan] steigert ein ausreichendes Maß an Autonomie und Wahlfreiheit die Motivation eines Lernenden. Das subjektive Erleben von Kontrolle und einengenden Vorgaben hingegen lässt die Motivation deutlich sinken. Dies bedeutet, dass eine Aufgabe dem Lernenden stets so gestellt werden sollte, dass sie dem Lernenden einen angemessenen Spielraum bei der Bearbeitung lässt. Wie groß dieser Spielraum sein muss hängt stark von den Ausgangsvoraussetzungen (Kompetenzen) des Lernenden ab. Dem Gefühl von einengenden Vorgaben kann entgegengewirkt werden, indem Aufgabe, Ziele und sonstige Einflussfaktoren transparent gemacht (d.h. gut begründet) werden. Der Lernende muss in diesem Zusammenhang erkennen können warum er eine Aufgabe auf eine bestimmte Weise bearbeiten soll, bzw. wofür seine Arbeit gut ist.
Wettkämpfe können intrinische Motivation sowohl steigern als auch verringern. Dies hängt davon ab, wie sie vom Individuum wahrgenommen werden. Fördernd wirken kann Konkurrenz zum Beispiel weil sie eine Herausforderung bietet oder das Individuum Feedback bekommt. Verringernd auf intrinsische Motivation wirken sich Wettkämpfe aus, wenn sie im wesentlichen kontrollierenden Charakter haben.
Kontrollierend wirkende Einflüsse, die verringernd auf intrinsiche Motivation wirken können zum Beispiel Überwachung, Deadlines, die Auferlegung von Zielen oder Belohnung sein. Letztere können allerdings zur Steigerung der [:ExtrinsischeMotivation: extrinsischen Motivation] beitragen. Wenn Belohnung in Form von positivem Kompetenzfeedback übermittelt bzw. wahrgenommen wird und keinen Druck auf das Individuum ausübt kann sie intrinsische Motivation steigern. Wichtiger Einflussfaktor auf diese Wahrnehmung ist der Zusammenhang in dem eine solche Belohnung offeriert wird. "[...] Intrinsic motivation will tend to be directed toward activities encountered in contexts that are experienced as autonomy supportive (i.e., informational) and away from those encountered in contexts that are experienced as either controlling or amotivating." (DeciRyan1992)
Internal events
Ebenso wie externe Ereignisse und Abläufe haben auch innere Prozesse, die bei der Initiation oder Regulation von Verhalten beteiligt sind Einfluss auf die Motivation des Individuums. Je nachdem ob sie informationell, kontrollierend oder amotivierend wahrgenommen werden wirken sie fördernd oder hemmend auf intrisische Motivation. Wichtigster Faktor ist hier die Selbstbestimmung des Individuums. Alles was vom Individuum als Beeinträchtigung seiner Selbstbestimmung wahrgenommen wird wirkt hemmend.
"[...] not all internal regulatory processes represent self-determination. Ego involvement and public self-awareness, for example, are modes of self-regulation that tend to be [:ExtrinsischeMotivation: extrinsic] and controlling in character. Accordingly, they have been found to undermine intrinsic motivation." (DeciRyan1992)
Personality orientations
Intrinsische Motivation hängt zu einem großen Teil davon ab, wie das Individuum generell sich und die Welt um sich herum wahrnimmt. Diese Wahrnehmung beruht darauf, welche Erfahrungen das Individuum in seinem bisherigen Leben gemacht hat.
intrinsisch motivierte Arbeit im Wiwa
Intrinsisch motivierte Personen im Wiwa haben Spass daran sich zu beteiligen, Texte zu verfassen, zu editieren, zu kommentieren, etc. Zusätzlich haben sie durch die Arbeit im Wiwa einen Lerneffekt und ziehen somit aus der Mitarbeit einen privaten Nutzen (vgl. KoenigMüllerNeumann2007). Diesen privaten Nutzen, entstanden aus dem Spass an der Tätigkeit und dem Lerneffekt, hat nur der Verfasser selbst. Er ist nach [:KoenigMüllerNeumann2007: KoenigMüllerNeumann] "[...] grade deshalb so hoch, weil der Beitrag öffentlich ist. Andere Teilnehmer können darauf mit Hinweisen, Tipps, Fehlermeldungen oder Kritik reagieren, die der [Teilnehmer] als positiven Input auffasst und von denen er profitiert." Sie bezeichnen dies als expansives Lernen, die so motivierte Arbeit im Wiwa daher als intrinsisch motivierte expansive Arbeit.
